Vermögensnachfolge - Testamentsarten

II.

Eigenhändige Testamente (§ 2247 BGB)

1.

Allgemeines

Eigenhändige Testamente sind Testamente, die kostenfrei und ohne Notar von einem Erblasser errichtet werden. Ein Erblasser, der ein wirksames Testament errichten will, muß testierfähig und testierwillig sein.

Testierfähigkeit ist gegeben, wenn der Erblasser

  •  weiß, dass er ein Testament errichtet, und
  • die Fähigkeit zur Einsicht in die einzelnen Anordnungen und die entsprechende Handlungsfähigkeit hat (Lange, MDR 2023, 78; Herzog, ZErb 2016, 34).

Testierwille liegt vor, wenn der Erblasser eine rechtsverbindliche Anordnung für seinen Todesfall treffen möchte.

Minderjährige sind erst testierfähig, wenn sie das 16. Lebensjahr vollendet haben ( § 2229, Abs. 1 BGB). Auch dann können sie kein eigenhändiges Testament errichten, sondern nur durch eine Erklärung gegenüber einem Notar oder durch die Übergabe einer offenen  Schrift an eine Notar testieren (§§ 2233 Abs. 1, 2232  BGB).

Eigenhändige Testamente  sind vom Erblasser in vollem Umfang handschriftlich zu verfassen und zu unterschreiben (2247 Abs. 1 BGB). Auf die Angabe von  Zeit und Ort der Errichtung ( § 2247 Abs. 2 BGB) kommt es nicht an.

Die Unterschrift soll den Vornamen und den Nachnamen des Erblassers enthalten. Die Unterschrift muss das Testament räumlich abschließen.

Vom Erblasser errichtete Anlagen zum Testament müssen von ihm  ebenfalls unterschreiben werden werden, wenn sie den Willen des Erblassers ergänzen; dies gilt nicht für erläuternde Anlagen. Der BGH ist in einer neueren Entscheidung von dieser Auslegung abgewichen und sah es als entscheidend an, ob ein gefundenes Auslegungsergebnis andeutungsweise oder verstecktim Testament selbst zum Ausdruck kommt (BGH, ZEV 2022, 143).

 

2.

Besondere amtliche Verwahrung eigenhändiger Testamente

Ein Erblasser kann verlangen, dass sein eigenhändig errichtetes Testament in die besondere amtliche Verwahrung eines Amtsgerichts genommen wird (§ 2248 BGB). Diese Verwahrung dient dem Erhalt des Testamentes, der Geheimhaltung des Inhalts und dem Schutz vor Unterdrückung, Fälschung oder Veränderung. Das zuständige Amtsgericht unterrichtet die Bundesnotarkammer als Registerbehörde, die ein Testamentsverzeichnis führt. Sterbefälle haben die Standesämter der Registerbehörde zu melden, die das zuständige Nachlassgericht und die Verwahrstelle unterrichtet

Der Erblasser kann sein in amtlicher Verwahrung befindliches Testament jederzeit zurückverlangen, allerdings nur persönlich, bei gemeinschaftlichen Testamenten können nur beide Ehegatten die Rückgabe verlangen. Die Rückgabe eines eigenhändigen Testamentes berührt dessen Wirksamkeit nicht (anders bei notariellen Testamenten, siehe oben Ziff. I, 2).

3.

Risiken eines eigenhändigen Testamentes

  • Eigenhändige Testament geben oft nicht den Erblasserwillen wieder: Bei der Abfassung von Testamenten sind die erbrechtlichen Begriffe wie Vorerbe, Nacherbe, Ersatzerbe, Kinder, Abkömmlinge, Teilungsanordnungen, Vorausvermächtnis, Zweckvermächtnis, Ausgleichung, Auflage etc. zu verwenden. Wer diese Begriffe nicht kennt oder unrichtige Begriffe verwendet, gibt höchstwahrscheinlich seinen letzten Willen nicht richtig wieder, was zu Unklarheiten und damit zu Streitigkeiten zwischen Erben führen wird,
  • Erbrechtliche und erbschaftssteuerliche Gestaltungsalternativen werden nicht erkannt und nicht genutzt.
  • Erblasser schreiben das Testament oft nicht eigenhändig ab, sondern mit dem Computer, ohne zu wissen, dass diese Form eines Testamentes unwirksam ist,
  • Oft werden einzelne Vermögensgegenstände (mein Haus, meine Wohnung, meine Bankkonten) vererbt, anstatt Erbquoten anzugeben. Es stellt sich dann die Frage, wer ist Erbe und wer ist Vermächtnisnehmer?
  • Erblasser setzen keine Ersatzerben ein. Ersatzerben sind die Personen, die vom Erblasser für den Fall als Erben eingesetzt werden, dass ein eingesetzter Erbe vor oder nach seinem Tod als Erbe wegfällt, z.B. weil er vor dem Erblasser verstirbt oder den Erbteil ausschlägt,
  • Testamente werden oft nicht in amtliche Verwahrung gegeben, sondern zu Hause aufbewahrt. Sie unterliegen dann dem Risiko des Verlustes, der Unterdrückung oder der Fälschung,
  • Es wird bei Verfügungen von Todes wegen über Gesellschaftsanteile an Personengesellschaften oft nicht darauf geachtet, ob die vorgesehenen Erben nach dem Gesellschaftsvertrag nachfolgeberechtigt sind,
  • Ehegatten wissen oft nicht, dass ein gemeinschaftliches Ehegattentestament von einem Ehegatten handschriftlich geschrieben und von beiden Ehegatten unterschrieben werden kann. Es ist unschädlich, wenn der andere Ehegatte noch den Satz hinzufügt. „Dies ist auch mein Wille“.

Bei der Abfassung eines Testamentes sollte unbedingt ein Notar oder ein erfahrener Berater beigezogen werden. Fehlerhafte Testamente verursachen Unfrieden und gerichtliche Verfahren, die Zeit, Ärger und Kosten zur Folge haben. Die Kosten von Beratern oder Notaren sind in der Regel deutlich niedriger als die Kosten eines gerichtlich ausgefochtenen Rechtsstreits.