Vermögensnachfolge - Testamentsarten


I.

Das öffentliche, notarielle Testament (§ 2232 BGB)

1.

Allgemeines

Bei notariellen Testamenten sind zwei Formen zu unterscheiden: 

  • Der Erblasser kann dem Notar seinen letzten Willen mitteilen, der Notar entwirft den Text des Testamentes, der Text wird vom Notar vorgelesen, vom Erblasser und vom Notar unterschrieben. 

  • Der Erblasser kann aber auch dem Notar eine „Schrift“ übergeben, mit der Erklärung, dass sie seinen letzten Willen enthalte. Dieses Testament kann dem Notar

  • offen oder

  • verschlossen übergeben werden. In diesem Fall muss das Testament nicht mit der Hand geschrieben sein. Ein solches Testament kommt in der Praxis so gut wie nie vor. Es wäre auch problematisch, weil die Kontrolle des Testamentes durch den Notar unterbleibt, denn das verschlossene Testament wird erst bei der Testamentseröffnung geöffnet.

    Wird die Schrift offen übergeben, soll und kann der Notar von dem Inhalt Kenntnis nehmen; damit wird es dem Notar ermöglicht, dem Erblasser auf Fehler im Testament hinzuweisen und Vorschläge zur Korrektur zu machen.

2.

Amtliche Verwahrung des notariellen Testamentes

Nach der Errichtung des Testamentes soll der Notar die besondere amtliche Verwahrung des Testamentes veranlassen (§ 34 BeurkG). Örtlich zuständig ist das örtliche Amtsgericht. Das Testament wird vom Amtsgericht an das Zentrale Testamentsregister (Notarkammer in Berlin) zur Registrierung angemeldet. Im Erbfall wird das Testament dem zuständigen Nachlassgericht übermittelt. 

Der Erblasser kann jederzeit die Rückgabe seines Testamentes vom verwahrenden Amtsgericht verlangen, allerdings nur persönlich; bei einem Ehegattentestament müssen beide Eheleute die Rückgabe verlangen. 

Hinweis:
Die Rückgabe eines notariellen Testamentes hat jedoch Wirkung eines Widerrufes des Testamentes (§ 2256 Abs. 1, S. 1 BGB) zur Folge. Dies ist bei einem gemeinschaftlichen Ehegattentestament das handschriftlich abgefasst ist, nicht der Fall!

3.

Vorteile notarieller Testamente

a.

Der Notar muss die Testierfähigkeit des Erblassers überprüfen – notfalls durch ein fachkundiges Gutachten. Damit werden in der Regel nachträgliche Zweifel übergangener Angehöriger an der Testierfähigkeit des Erblassers ausgeräumt.

b.

Das Fachwissen – jedenfalls der „Nurnotare“ (wie in Bayern) – sorgt dafür, dass die rechtlich korrekten Formulierungen verwendet werden, die dem Laien i.d.R. unbekannt sind.

c.
Der Notar kann dem Erblasser Gestaltungsvorschläge unterbreiten, die der Erblasser nicht kennt.
d.
Die Beratung durch den Notar ist in den Beurkundungskosten enthalten.
e.

Das notarielle Testament erspart dem/den Erben die Kosten eines Erbscheines nach dem Erbfall (§ 35 GBO), wenn sich im Nachlass Grundvermögen befindet.

f.

Das Testament wird vom Amtsgericht sicher verwahrt; es kann dort nicht „verschwinden“. Zusätzlich wird es beim Zentralen Testamentsregister registriert und im Todesfall ohne zeitliche Verzögerung dem zuständigen Nachlassgericht übersandt.