Vermögensnachfolge - Testamentsarten

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Berliner Testamente

2.

Berliner Testament als „Vor- und Nacherbschaft“

Das Berliner Testament kann auch als „Vor- und Nacherbschaft“ ausgestaltet werden: Der überlebende Ehegatte wird „Vorerbe“ und die Schlusserben „Nacherben“.

Wenn die Erblasserehegatten wollen, dass ihre Verwandten jeweils ihr Vermögen von Todes wegen bekommen sollen, werden sie die Variante Vor- und Nacherbschaft wählen. Nach dem Tod des erstversterbenden Ehegatten wird der überlebende Ehegatte Vorerbe des verstorbenen Ehegatten. Dies bedeutet, dass der überlebende Ehegatte sein Vermögen und das geerbte Vermögen strikt trennen muss, da das Vermögen des erstverstorbenen Ehegatten mit dem Tod des überlebenden Ehegatten auf die Nacherben des erstverstorbenen Ehegatten und das eigene Vermögen des überlebenden Ehegatten auf seine Verwandten als Erben übergeht. Wird diese Trennung nicht strikt durchgeführt, sind Rechtsstreitigkeiten programmiert.

Anders als im Falle der Einheitslösung vereinigen sich die Vermögen der beiden Ehegatten nicht. Daher wird die Variante „Vor- und Nacherbschaft“ auch als „Trennungslösung“ bezeichnet.

2.1

Zivilrecht

Die Ehegatten können entscheiden, ob der überlebende Ehegatte ein befreiter Vorerbe oder ein nicht befreiter Vorerbe werden soll. Als befreiter Vorerbe 

  • sind Verfügungen über zur Erbschaft gehörende Grundstücke für den Fall des Eintritts der Nacherbfalls wirksam (§§ 2136, 2113 Abs. 1 BGB)
  • steht dem Nacherben kein Anspruch auf Auskunft über den Bestand der Erbschaft zu
  • kann der Nacherbe keine Sicherheitsleistung verlangen, wenn eine Besorgnis einer erheblichen Verletzung der Rechte des Nacherben begründet ist (§§ 2136, 2128 BGB)
  • kann der Nacherbe keinen Wertersatz verlangen, wenn der Vorerbe einen Erbschaftsgegenstand für sich verwendet hat (§§ 2136, 2134 BGB) über das vom Erstverstorbenen geerbte Vermögen kann der Vorerbe nicht von Todes wegen verfügen, da der längerlebende Ehegatte nur Vorerbe ist.

Der Nacherbfall tritt mit dem Tod des Vorerben ein, wenn der Erblasser für die Nacherbfolge keinen Zeitpunkt oder kein Ereignis bestimmt, zu dem die Nacherbfolge eintreten soll (§ 2106, Abs. 1 BGB)

Die Nacherben erwerben mit dem Tod des vorverstorbenen Ehegatten ein Anwartschaftsrecht, das grundsätzlich vererbbar ist (Burandt/Rojahn/Braun/Schuhmann, aaO, § 2269, Rn. 40). Fällt der als Vorerbe vorgesehene Ehegatte weg (z.B. durch Ausschlagung der Erbschaft gem. §§ 1942 ff. BGB), ist der Nacherbe im Zweifel Ersatzerbe (§ 2102 BGB).

2.2

Steuerrecht

Den Erblassern eines gemeinschaftlichen Testamentes ist dringend zu empfehlen, den Nacherbfall mit dem Tod des Vorerben zu vermeiden, damit der Vorerbe und der/die Nacherbe(n) nicht unter das Regime des § 6 Abs. 4 ErbStG geraten (s. o. Ziff. 1.2.2).

 
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